Shimano 2017 Scorpion DC

Shimano Scorpion DC

Die Scorpion DC ist meine erste Baitcaster mit Digital Control System. Nachdem ich lange genug DC Rollen in den Videos von John B und anderen gesehen habe, musst ich auch eine haben. Also habe ich mir eine Scorpion DC aus Japan geholt. Mit Globalisierung und Internet ist das ja absolut kein Problem mehr.

Shimano Scorpion DC

Ich habe schon mit meiner Frau darüber gesprochen, wie ich lange Abende damit verbracht habe alle meine Baitcaster nahezu geräuschlos zu machen. Kaum sehe – beziehungsweise höre – ich die DC Baitcaster immer wieder in Videos, ist der Tackle Affe getriggert. Ich muss so ein furchtbares Lärm-Jammer-Teil haben, unbedingt! Der angelnde Mensch ist schon ein seltsames Wesen!

Eine Scorpion DC ist es übrigens deshalb geworden, weil mir die Curado DC zu wenig Einstellmöglichkeiten hatte. Außerdem hat die Curado eine 150er Spule und die DC eine 100er, was mir deutlich sympathischer ist. Die Metanium, die auch eine 100er Spule hat, war mir dann schon wieder etwas zu teuer. Also habe ich mich für die vergleichsweise günstige Shimano 2017 Scorpion DC aus Japan entschieden.

Der erste Eindruck der Shimano Scorpion DC

Optisch sticht zuallererst der schwarze Glanzlack in Kombination mit den roten Highlights an der Spooltension auf. Sehr schick und nicht aufdringlich. Hat fast ein bisschen Sith Lord Style, die kleine Japanerin.

Aber halt, da war noch etwas! Wenn man die Scorpion DC ein bisschen im Licht dreht, entdeckt man noch eine kleines aber feines optisches Detail. Im Lack sind, auf den ersten Blick kaum auffallende, Glitterpartikel eingearbeitet. Von der Farbe und der Verteilung der Glitterpartikel hat die Rolle ein bisschen etwas von Sternenhimmel.

Ansonsten gibt es keine großen optischen Überraschungen. Das die Rolle nicht sehr groß ist, ist klar. Auch mit relativ kleinen Händen lässt sie sich ganz locker palmen. Sie liegt also sehr gut in der Hand und kurbelt sich schon rund.

Die Scorpion DC hat ein bisschen Sith Lord Style. Eine rote Schnur hätte das perfektioniert.

Das asymmetrische Design der Daumentaste hätte von mir aus nicht sein müssen, stört aber in keiner Weise. Die Daumentaste ist aus Kunststoff, fühlt sich aber angenehm und solide an. Das Geräusch beim Einrasten und beim Ausklinken ist satt.

Außen rundum ist also alles okay. Aber bei der Scorpion DC geht es eigentlich mehr um die inneren Werte und die Performance am Wasser. Besonders das hoch gelobte I-DC 5 System muss sich beweisen!

Das I-DC 5 System der Scorpion DC

Ohne Zweifel ist das Herzstück der Scorpion DC das namensgebende Digitale Control System I-DC 5. Aus diesem Grund möchte ich darauf ganz besonders eingehen. Die Spool Tension und die Kampfbremse sind, wie bei Shimano üblich tadellos, aber es soll jetzt an das Eingemachte gehen.

Da die Theorie und die Praxis nicht immer wirklich nahe beieinander liegen, möchte ich auf beide getrennt eingehen. Alle meine persönlichen Anmerkungen beziehen sich auf meine Art die Spool Tension einzustellen. Ich stelle sie so ein, dass die Spule gerade kein Spiel mehr nach links und rechts hat. Die oft empfohlene Einstellung, dass der Köder im freien Fall nicht zu schnell fallen darf, finde ich bei allen Baitcastern zu limitierend was die Wurfweite angeht.

Das I-DC 5 System in der Theorie

Bei den Theorie Informationen beziehe ich mich auf Informationen die über die Shimano Webseite für jeden zugänglich sind. Es handelt sich also sinngemäß um die offizielle Version des Herstellers.

Das I-DC 5 ist die derzeit neueste Version der DC-Bremssysteme. Dabei gibt es zwei Einstellparameter. Man kann zum einen, über ein Einstellrad unter der Abdeckung der No-Handle Seite, die verwendete Schnur einstellen. F steht für Fluorocarbon, PE steht für geflochtene Schnur und N steht für Monofile Schnur aus Nylon.

Außen gibt es dann noch ein Einstellrädchen über das man die Bremsstufen 1, 2, 3, 4, und A (Automatik) wählen kann. Dabei sind die Einstellungen laut Hersteller wie folgt aufgeteilt: 1 für schwere Köder von 18 bis 30 g. 2 für mittlere Köder von 10 bis 20 g. 3 für kleine Köder von 8 bis 12 g und 4 für sehr leichte Köder von 5 bis 8 g. Bei A bestimmt die Scorpion DC die optimale Bremseinstellung selbstständig.

Shimano Scorpion DC

Durch dich Verwendung eines Ringmagneten soll die Bremskraft gleichmäßig verteilt werden. Das verbessert laut Shimano die maximale Spulenumdrehung zu Beginn des Wurfes um bis zu 12 %.

Der Computer Chip des I-DC 5 soll 1000 mal in der Sekunde die optimale Drehung, beziehungsweise die ideale Bremsabstimmung, errechnen. Das I beim I-DC 5 steht dabei für Intelligent, was man bei der Rechenleistung nur schwer abstreiten kann.

Das I-DC 5 System braucht übrigens keine Batterien oder ähnliches. Durch die Energie, die beim Wurf entsteht, versorgt sich das System selbst mit Strom.

Das I-DC 5 System in der Praxis

Das man die Abdeckung der No-Handle Seite öffnen muss, um die verwendete Schnur einzustellen, stellt kein Problem dar. Man wechselt schließlich normalerweise nicht täglich den verwendeten Schnurtyp. Achtung, um die Seitenplatte abzunehmen müssen sowohl das Rädchen der Bremse als auch der kleine Hebel hinten auf “open” eingestellt sein. Das gilt auch für das Schließen der Seitenplatte.

Shimano Scorpion DC

Kommen wir jetzt zu den Bremseinstellungen die von außen bedient werden können, nachdem die Schnur gewählt wurde. Ich angle praktisch nie schwerere Köder als 10 oder 12 g. Aufgrund dessen müsste meine ideale Bremseinstellung immer zwischen 3 und 4 liegen. Aber ich habe das in der Praxis ganz anders empfunden.

Übrigens, ja, das Einstellrädchen ist ein bisschen schwergängig. Das ist aber bei allen meinen Shimanos der Scorpion Serie so und daher nicht bedenklich. Dennoch finde ich, dass das ein kleines bisschen leichter und ohne Einsatz der Fingernägel gehen sollte.

Bei mir richtet sich die Bremseinstellung weniger nach dem Gewicht, sonder danach was ich machen möchte. Möchte ich lange Überkopfwürfe machen ist meine Einstellung quasi immer zwischen 1 und 2, ungeachtet des Ködergewichts. Mit 2 komme ich selbst bei eher unguten Windverhältnissen sehr gut klar. Auch mit Seitenwind und sogar mit Gegenwind kann man sehr gut werfen, wenn man ein kleines bisschen aufpasst.

Ein wenig Achtsamkeit ist übrigens auch mit einer DC Rolle nötig, wenn man sie so einstellt, dass sie gute Wurfweiten erzielt. Die Scorpion DC ist also kein Zaubermittel gegen eine Perücke, sonder nur ein sehr gutes Hilfsmittel sie zu vermeiden.

Shimano Scorpion DC

Klar, mit der Stufe 4 wäre es fast unmöglich einen nennenswerten Backlash zu produzieren, auch wenn man den Daumen nicht zum Bremsen verwendet. Aber man büßt halt auch viel an Wurfweite ein.

Beim Pitchen und anderen Würfen auf kurze Distanzen verwende ich bei Windstille auch die Einstellungen 1 oder 2. Sollte es aber Seitenwind oder Gegenwind geben, setze ich immer auf 3 oder 4.

Bei den beiden kleineren Einstellungen habe ich das Gefühl, dass das DC System einfach nicht so richtig greift. Ich weiß nicht ob es durch die kurze Distanz zu wenig Zeit zum korrigieren hat, oder ob durch die gezielten, kurzen Würfe die Spule zu wenig beschleunigt wird, dass das DC System bei niedrigen Einstellungen reagiert.

Die Automatik Einstellung verwende ich übrigens nie, da ich überzeugt bin, dass ein erfahrener Werfer besser weiß was er will als eine Automatik. Für einen blutigen Anfänger mag das aber durchaus die richtige Wahl sein.

Wurfweiten und Wurfgewicht der Scorpion DC

Eines sei vorweg erwähnt, das berühmte Surren oder Heulen des DC Systems ist gut zu hören. Auch wenn ich sonst Geräusche überhaupt nicht mag, stört es mich hier nicht. Vermutlich ist das so weil ich weiß, dass es ein Feature und kein Bug ist.

Es steht völlig außer Zweifel, dass ein Baitcaster geübter Angler mit einem herkömmlichen Bremssystem mindestens genau gleich weit werfen kann. Möglicherweise ist ein traditionelles Bremssystem und ein gut trainierter Daumen sogar deutlich überlegen, besonders wenn die Bedingungen günstig sind.

Sobald man aber mit Wind zu kämpfen hat, spielt das I-DC 5 der Scorpion DC ihre Stärken voll aus. Ich habe noch nie so angenehm bei Seitenwind oder sogar bei Gegenwind geworfen wie mit dieser Rolle. Die Hilfe des Chips ist bei problematischen Bedingungen mehr als deutlich zu spüren.

Fazit ist also, dass bei günstigen Bedingungen eine herkömmliche Baitcaster vermutlich die Nase vorne hat. Aber sobald es schwierig wird und der Wind auffrischt oder du zu einem Gewaltwurf ansetzt, bei dem du voll durchziehen willst, hat die DC ganz klar die Oberhand! Die Scorpion DC glänzt dort wo andere Rollen an ihre Grenzen stoßen.

Shimano Scorpion DC

Obwohl die Spule der Scorpion DC mit 18 g ohne Schnur recht massiv daher kommt, ist sie erstaunlich lightfähig. Bereits ab 5 g kann man mit einer entsprechenden Rute echt gut werfen, egal ob Hardbait oder Gummi.

Beurteilung: Shimano 2017 Scorpion DC

Konstruktion/Qualität

Die Konstruktion und die Qualität sind sehr hoch.
Der Daumentaster dürfte ruhig aus Metall sein.
8

Performance

Die Scorpion DC wirft ab 5 g aufwärts ohne Probleme.
Es braucht ein bisschen Zeit die richtigen Einstellungen zu finden, da sie meiner Meinung nach nicht mit den offiziellen Angaben übereinstimmen.
9

Preis

Der Preis ist noch im grünen Bereich, wenn man bedenkt welche Technologie verbaut ist. 8

Features

Elektronisch kontrolliertes System zur Bremskontrolle beim Wurf. 9

Design/Haptik

Sehr stimmig mit schicken Details.
Die Baitcaster liegt sehr gut in der Hand.
8

Erreichter Durchschnitt:

8,4

1 = furchtbar; 2 = schlecht; 3 = verbesserungswürdig; 4 = unterdurchschnittlich; 5 = durchschnittlich; 6 = okay; 7 = gut; 8 = sehr gut; 9 = exzellent; 10 = unerreicht gut

Angelbarkeit der Scorpion DC

Die Scorpion DC lasst sich sehr angenehm greifen. Sie verhält sich sowohl beim Wurf, als auch beim Kurbeln sehr ruhig. Auch unter Belastung ändert sich nichts an der Ruhe.

Ich finde die Knobs sehr angenehm, auch wenn ich sie optisch vielleicht nicht so der Hammer sind. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.

Außer dem, von mir heiß geliebten, Geheule der Digital Control gibt es nichts zu hören. Hier wurde tadellos gearbeitet.

Was – wie auch schon bei anderen Shimanos – ein kleines bisschen stört ist, dass man es mit Fett echt gut gemeint hat. Bei den ersten zwei bis drei Mal angeln wirft sich das aber gut ein. Nach kurzer Zeit läuft alles so frei wie es soll.

Die insgesamt 15 verschiedenen Einstellmöglichkeiten des I-DC 5 lassen bei mir keine Wünsche offen. Noch mehr Optionen sind, meiner Meinung nach, nicht nötig.

Datenblatt: Shimano 2017 Scorpion DC

Schnureinzug:67 cm / 77 cm
Übersetzung:6.3 : 1 / 7.2 : 1
Bremskraft:5,5 kg
Kugellager: 7 + 1 (Shielded Anti-Rust)
Body:Hagane (aus sehr starren Metallen)
Spule: Aluminium (Stable Spool Design)
Spulengewicht: 18 g
Getriebe: X-Ship
Gewicht:215 g
Schnurfassung (lb/m):12/120, 14/100, 16/85

Das Shimano 2017 Scorpion DC Fazit

Brauchst du eine Rolle mit I-DC 5 um Spaß am Angeln zu haben? Nein, tust du nicht! Könnte dir eine Scorpion DC, besonders bei schwierigen Wurfbedigungen, helfen? Auf jeden Fall!

Mir hat die Rolle auf jeden Fall schon viel Frust bei Seitenwind und Gegenwind erspart. Es ist schon fast unglaublich, wie gutmütig sich die Rolle wirft, wenn man sie schön eingestellt hat.

Wenn du das Geld hast und gerne ein bisschen etwas ausgibst ist die Scorpion DC eine Investition die dir viel Freude machen wird. Die Größe ist ideal zum Barschangeln, für Zander und auch für das leichte Hechtangeln. Ich verwende sie sogar zum Angeln auf Döbel mit 7 cm Hardbaits.

Shimano Scorpion DC

Bisher habe ich meine Investition nicht bereut. Ich habe die Scorpion DC sehr oft am Wasser. Super ist, dass mein Selbstimport mehr Einstellmöglichkeiten und eine kleinere Spule als die Curdao DC hat und billiger ist als die Metanium DC. Mittlerweile spiele ich sogar schon mit dem Gedanken an eine zweite Scorpion DC, weil ich sie hin und wieder zwischen zwei Ruten wechseln muss, wobei derzeit die Vernunft noch knapp überwiegt.


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