[Werbung] Es hat tatsächlich eine Zeit lang gedauert bis ich, als großer Creatures, Craws und Worms Fan, mich dazu durchgerungen habe den verschiedenen Strolling Techniken eine Chance zu geben. Nachdem jetzt einiges an Erfahrungswerten vorhanden ist gibt es einen großen Artikel zum Thema Hover Strolling, Mid Strolling und Bottom Strolling. Obwohl ich ziemlich lange gezögert habe, bin ich jetzt ein mega Fan vom Strolling.
Ich bin zwar sehr experimentierfreudig, aber mich faszinieren die verschiedensten Verrückten Insekten, Krebse und Würmer in der Regel deutlich mehr als ein „normaler“ Gummifisch. Irgendwie konnte ich mich der Faszination aber doch nicht entziehen, da ich immer und immer wieder über online über das Strolling in seinen Varianten gestolpert bin.
Ursprung der Strolling Techniken
Midosuto (jap. ミドスト) ist der japanische Ausdruck der sich lose mit „Middle Strolling“ übersetzen lässt. Wie fast alles was im Angelbereich aus Japan kommt ist diese Technik extremst verfeinert und optimiert worden, bis sie perfekt genug war um die Welt zu erobern. Den Siegeszug hat die Technik zwar durch das Bassangeln angetreten, sie wird aber auch auf Forellen eingesetzt. Bei uns wurde sie für Flussbarsche adaptiert und ist dabei gleich erfolgreich wie beim Angeln auf Bass. Das Barschangeln damit macht wirklich Freude.

Der Angeldruck in Japan ist mit dem starken Angeldruck in dicht besiedelten Gebieten Deutschlands, Österreichs und Norditalien zu vergleichen. Darum ist es super das die Japaner das Strolling für ihre klaren und tiefen Stauseen wie zum Beispiel den Lake Biwa perfektioniert haben. Dort sind die Fische ähnlich gut trainiert wie bei uns und dementsprechend vorsichtig.
Strolling Prinzip
Bei dieser Angeltechnik geht es darum einen Gummifisch möglichst langsam und schwebend durch die Wassersäule zu führen. Dabei bewegt er sich im Freiwasser, was diese Technik komplett vom Faulenzen und Jiggen unterscheidet. Grundkontakt ist eigentlich nicht vorgesehen. Es geht darum einen sich ständig bewegenden Gummifisch möglichst natürlich und langsam zu präsentieren. Die dabei entstehenden Vibrationen und das Aufblitzen der Seiten des Köders locken die Fische dabei an.
Damit das funktioniert müssen alle Komponenten vom Köder über den Haken bis hin zur Rute und zur Schnur perfekt aufeinander abgestimmt sein. Wenn etwas nicht passt, dann funktioniert die Technik nur noch sehr suboptimal. Ich erkläre dir jetzt wie der Gummifisch beim Barschangeln mit der Strolling Technik geführt wird.
Strolling Animation
Für das Strolling ist es ganz wichtig die den Köder beziehungsweise die Schnur konstant und sehr langsam einzukurbeln. Dieses langsame und beständige Einleiern wird jetzt noch mit einer passenden Handbewegung kombiniert um die maximale Wirkung zu entfalten.

Während dem Einkurbeln ist die Schnur nie wirklich gespannt. Ein Schnurbogen ist absolut wichtig um den Gummifisch beim Strolling perfekt animieren zu können. Ist die Schnur unter Spannung und es gibt keine Slack Line, schränkt man den Lauf des Köders extrem ein.
Eigentlich wird der Gummifisch beim Strolling nur durch das Eigengewicht der lockeren Schnur nach vorne gezogen. Viel schneller sollte man nicht kurbeln. Während man so extrem gemütlich vor sich hin kurbelt zittert man mit dem Handgelenk in die lockere Schnur. Wenn du dabei das Gefühl hast den Köder immer wieder zu spüren, führst du ihn zu aggressiv. Man twitched den Gummifisch nicht und man darf auch nicht auf Spannung sein.

Das Zittern in die lockere Schnur sorgt dafür das der Gummifisch beim Strolling ständig und abwechselnd nach links und rechts kippt. Dabei sieht der Köder aus wie ein kleiner Fisch der nicht mehr stark genug ist sich aufrecht im Wasser zu halten. Sollte die Schnur zu stark gespannt sein bremst man den Kippeffekt aus und der Gummifisch wirkt nicht mehr so schwach und angeschlagen. Sowohl beim Barschangeln als auch beim Bassangeln ist eine hilflose und schwache Beute oft der Schlüssel zum Erfolg.
Du spürst den Köder eigentlich nur dann direkt wenn sich Spannung aufbaut. Im Idealfall baut sich Spannung aber nur in zwei Situationen auf. Entweder du bleibst an einer Pflanze im Wasser hängen oder du bleibst in einem Fischmaul hängen. Wenn ich merke es baut sich Spannung auf, kurble ich gleich langsam weiter und achte darauf ob sich der Hänger wehrt oder nicht. Erst wenn ich sicher bin einen Fisch an der Leine zu haben setze ich einen Anhieb. Der Anhieb ist dabei kein brutales anschlagen, sondern nur ein zügiges heben oder seitliches wegziehen der Rute. Dabei höre ich nie auf zu kurbeln, außer ich bin mir sicher, dass es sich um eine Pflanze handelt.

Barsche die sich nur den Schwanz schnappen, werden nicht vergrämt wenn man weiter macht. Sie spüren in der Regel keinen Haken und wenn sich die Schwanzspitze aus dem Barschmaul löst, entlädt sich die Spannung die durch den Fehlbiss aufgebaut wurde. Durch die Entladung der Spannung beschleunigt der Gummifisch und das kann als Flucht interpretiert werden. Oft ist das der Auslöser für eine weitere, entschlossenere Attacke.
Mein Strolling Tackle
Da das Strolling eine sehr feine Abstimmung des Geräts nötig macht, ist es sehr wichtig die richtigen Sachen zu kombinieren. Für das ich mich entscheide beim Barschangeln und Bassangeln mit dieser Technik erkläre ich dir gerne.
Strolling Gummifisch
Das Herzstück beim Strolling ist ein Gummifisch mit V-Tail oder Pin Tail. Ein Paddelschwanz ist dafür nicht wirklich geeignet. Ideal ist auch wenn die Flanken des Gummifisches möglichst flach sind. Das hilft das Aufblitzen der Flanken bei den Kippbewegungen möglichst stark ausfallen zu lassen. Eine Holofolie im inneren des Gummifisches würde da auch noch unterstützen, ist aber nicht unbedingt notwendig.
Wenn der gewählte Gummifisch einen guten Salzanteil hat beeinträchtigt das zwar die Lebensdauer ein bisschen, aber es hilft definitiv mit der Wurfweite. Falls man vom Ufer aus angelt kann der eine oder andere Meter mehr durchaus wichtig sein.

Von der Größe her setze ich in den allermeisten Fällen auf Gummifische zwischen 3 und 4 Inch. Die rund 7 bis 10 cm sind für sowohl für unsere Barsche als auch für Bass eine gute Portionsgröße. Mit 3 Inch bekommt man bei uns am Bodensee meist deutlich mehr Bisse und mit 4 Inch steigt in der Regel die Größe der Fische spürbar, dafür muss man mit deutlich weniger Kontakten klar kommen.
Es hilft übrigens wenn der verwendete Gummifisch einen kleinen Hakenkanal am Rücken hat oder zumindest eine klar ersichtliche Mittellinie vom Gießen. Du musst und kannst die Hakenspitze zwar nicht verstecken im Kanal, aber er hilft dir sehr beim gerade riggen. Das ist deshalb so wichtig weil es bei so leichtem Angeln extrem auffällt wenn man den Gummifisch nicht komplett mittig aufzieht oder der Köder einen ungewollten Buckel macht.

Für mich persönlich haben sich aktuell der Jackall Driftfry und der DStyle Virola vom Pulk abgesetzt. Besser verfügbar in Europa und auch wirklich gut sind die Noike SLT Minnow, der Keitech Shad Impact, der Banks Pin und der Rapala CrushCity The Stingman.
Jackall Driftfry: hechtundbarsch.de
Noike SLT Minnow: hechtundbarsch.de
Keitech Shad Impact: hechtundbarsch.de
Banks Pin: hechtundbarsch.de
Rapala CrushCity The Stingman: hechtundbarsch.de
Strolling Haken und Jigs
Für Strolling ist ein Haken mit einem 90° abstehenden Öhr am idealsten. Dadurch wird die Kippbewegung optimiert, da sich der Weg verlängert im Vergleich zu einem Haken mit flacherem Winkel des Öhrs. Man kann ein Strolling Rig mit einem komplett unbeschwerten Haken angeln oder mit einem sehr leichten Jig Kopf.

Bei einem unbeschwerten Haken wird normalerweise ein Limerick Haken mit einem 90° Öhr in Kombination mit einem Nail Sinker verwendet. Der kleine Nail Sinker wird dabei horizontal in das Kinn des Gummifisches eingeführt. Eine super Option ist zum Beispiel der Ryugi Hover Shot mit dem kleinen Bait Holder, der ein Abrutschen des Köders verhindert. Ansonsten eignet sich auch der VMC Aberdeen Jig 90° Haken sehr gut, er hat aber keinen Bait Holder.

Verwendet man einen Jig Kopf ist möglichst wenig Gewicht in Verbindung mit einem 90° Öhr gefragt. Zudem hilft es extrem wenn der Schwerpunkt möglichst hoch liegt. Meiner Meinung nach ist der Owner Range Roller das absolut Maß aller Dinge wenn es um einen Jig Kopf für das Strolling geht. Der Haken ist perfekt und der Schwerpunkt liegt extrem weit oben. Weitere heiße Kandidaten sind der Ryugi Vespa und der Gamakatsu Horizon Head.
Nail Sinker: hechtundbarsch.de
Owner Range Roller: hechtundbarsch.de
Strolling Hauptschnur
Für mich ist beim Strolling eine Fluorocarbon Hauptschnur fast unverzichtbar. Fluorocarbon hat eine hohe Slack Line Sensitivity. Das bedeutet, dass sie auch bei lockerer Schnur viel überträgt und man Bisse auch im Schnurbogen spürt. Außerdem ist Fluorocarbon schwerer als Geflecht. Das bedeutet die Schnur sinkt und unterstützt somit auch das Absinken des Gummifisches.

Durch die Dichte des Fluorocarbons außerdem die natürlich Vorwärtsbewegung durch das Eigengewicht des Schnurbogens ermöglicht. Außerdem bleibt das Strolling Rig schön unauffällig, weil das Fluorocarbon nicht in den Rutenringen sägt wie ein Geflecht. Auch die Optik ist in klaren Gewässern deutlich weniger auffällig. Von der Stärke her empfinde ich fürs Barschangeln und für das Angeln auf Bass in Norditalien 5 lb (rund 0,18 mm) als ausreichend und hatte damit auch noch nie Probleme.
0,18er FC in Hauptschnur Länge: hechtundbarsch.de
Snap vs Knoten
Ich befestige meinen Köder für das Strolling immer mit einem kleinen Snap am Fluorocarbon. Durch den Snap ist das Spiel wesentlich freier als mit einem direkt angeknoteten Köder. Je leichter der Snap und je größer der Bogen desto weniger wird das natürliche Spiel des Gummifisches beeinflusst.

Strolling Rute und Rolle
Bei der Frage um die richtige Rute und Rolle scheiden sich die Geister. Für mich ist es ganz klar eine Casting Combo, da die BFS Baitcaster mittlerweile so gut sind, dass es für mich keinen Grund mehr gibt eine Spinning zu verwenden. Für mich haben die Baitcaster auf beim Strolling zwei große Vorteile. Ich finde die Handhaltung sehr viel natürlicher und damit auch angenehmer. Zudem bin ich der Ansicht das sich eine durchgehende Fluorocarbon Hauptschnur an einer Baitcaster leichter handeln lässt als an einer Stationär Rolle. Wobei sich die Schnüre bis 5 lb auch an einer Spinning noch gut angelbar verhalten.

Dementsprechend verwende ich für sehr leichte Strolling Rigs eine Bullseye The Surgeon 2 – 10 g und für schwerere Rigs eine KastKing Kestrel Rute mit 3 bis 17 g Wurfgewicht. Auf der Bullseye habe ich entweder eine Shimano CC BFS oder eine Aldebaran BFS. Mit der KastKing Rute verwende ich die passende KastKing Kestrel Ultimate Baitcaster.
Drei Strolling Hauptrichtungen
Nachdem jetzt die wichtigsten Grundlagen gelegt sind, gehen wir genauer auf die drei hauptsächlichen Richtungen ein, in die sich das Strolling aufgespaltet hat. Es wird im allgemeinen zwischen Hover Strolling, Mid Strolling und Bottom Strolling unterschieden. Was es damit genau auf sich hat erfährst du jetzt.

Hover Strolling
Beim Hover Strolling wird kein Jig Kopf verwendet, sondern ein leichter Einzelhaken mit einem 90° abstehenden Öhr. Der VMC Aberdeen Jig 90° und der Ryugi Hover Shot sind meine aktuellen Favoriten für diese Art des Strollens. Der Gummifisch wird dabei auf den Haken aufgezogen und vorne in das Kinn des Gummifisches wird ein kleiner Nail Sinker eingeführt.

So kann man besonders leichte Montagen machen, die dann auch anders absinken als die Varianten mit Jig Kopf. Ein so montierter Gummifisch sinkt meist spiralförmig ab und hat somit einen sogenannten Helicopter Fall. Auf Animation reagiert so ein Hover Strolling Rig extrem feinfühlig, weil fast kein Gewicht vorhanden ist. Da der Schwerpunkt durch den Nail Sinker recht weit unten liegt, kippt der Gummifisch nicht so stark nach links und rechts wie mit einem Jig Kopf.

Den Gummifisch so zu montieren lohnt sich besonders dann wenn es um sehr flaches Wasser, sehr vorsichtige oder lustlose Fische und eine extrem langsame Führung geht.
Mid Strolling
Für das Mid Strolling wird ein sehr leichter Jig Kopf mit einem 90° abstehenden Öhr verwendet, bei dem der Schwerpunkt möglichst weit nach oben verlagert ist. Hier ist, wie bereits erwähnt, der Owner Range Roller meine erste Wahl. Auch den Gamakatsu Horizon Head finde ich sehr gelungen für das Strolling.
Da man mit einem Jig Kopf in der Regel etwas schwerer unterwegs ist als mit einem mini Nailsinker, kommt man so oft etwas tiefer und kann die mittlere Wasserschicht vieler Gewässer gut bedienen. Man angelt immer noch extrem langsam, aber es ist etwas mehr Vorwärtsbewegung da als mit einem Hover Strolling Rig. Die Rolling Action, das hin und her kippen des Gummifisches, ist dabei deutlicher ausgeprägt als beim Riggen mit einem Nail Sinker.

Mit einem so montierten Köder kann man schneller größere Bereiche absuchen, ohne es mit der Geschwindigkeit zu übertreiben. Es ist immer noch möglich Spots sehr gründlich und langsam auszuangeln.
Bottom Strolling
Das Bottom Strolling spielt sich noch etwas tiefer und oft auf an tieferen Spots in Grundnähe ab. Es ist vom Aufbau und der Führung her genau gleich wie beim Mid Strolling, nur werden etwas schwerere Köpfe verwendet.

| Hover Strolling | Mid Strolling | Bottom Strolling | |
|---|---|---|---|
| Gewicht | Haken ohne Kopf + Nail Sinker | sehr leichter 90° Jig Kopf | leichter 90° Jig Kopf |
| Tiefe | sehr flach | flach – Mittelwasser | etwas tiefer – Grundnah |
| Geschwindigkeit | sehr langsam | langsam | etwas schneller |
| Einsatzgebiet | extrem vorsichtige Fische und sehr langsames Angeln | langsames und gezieltes Absuchen | etwas zügigeres Absuchen aktivere Fische |
Keine reine Bootstechnik
Immer wieder hört man das Gerücht das die verschiedenen Strolling Techniken nur etwas für Bootsangler sind. Aber das stimmt so nicht wirklich. Es ist zwar eine Tatsache das die amerikanischen Bass aktuell sehr oft von Anglern dominiert werden die mit Elektronik für viele tausend Dollar einzelne große Fische suchen und diese dann mit Mit Strolling oder Bottom Strolling überlisten. Dennoch funktioniert das auch vom Ufer aus und ohne Technik sehr gut.

Gerade wenn man kein Spot Lock hat und das Boot nicht auf der Stelle halten kann wird es mit ein bisschen Drift recht schnell ungut ein Strolling Rig zu angeln. Ständiges Ankern ist zwar eine Möglichkeit, aber je nach Gewässer und Strömung auch ungut. Vom Ufer aus hat man komplett ohne Technik bestimmt mehr Kontrolle kann auch da sehr gezielt und genau vorgehen.
Wenn ich von meinem Boot, nur mit einem Deeper Sonar und ohne Spot Lock, angle fange ich eher viele Fische, dafür ist die Größe meistens sehr bescheiden. Beim Uferangeln fange ich in der Regel deutlich größere Fische, habe dafür aber auch spürbar weniger Kontakte. Das Strolling auf Flussbarsche und Bass ist wirklich etwas das man ausprobiert haben sollte.
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