Baitcaster – Fragen und Antworten

Daiwa Tatula SV TW

Es gibt Fragen die sich besonders Anfänger fast immer stellen, wenn es um das Thema Baitcaster geht. Manchen ist es peinlich zu fragen und anderen geht es auf die Nerven die selbe Frage zum hundertsten Mal zu beantworten. Daher ist es nur logisch immer wiederkehrende Fragen und die Antworten darauf in einem Katalog mit den Titel Baitcaster – Fragen und Antworten zu sammeln!

Wer Fragen hat, kann sie gerne in den Kommentaren stellen. Ich werde versuchen sie selbst zu beantworten, oder jemanden zu finden der die Antwort kennt und dann beides in stetig wachsenden Artikel “Baitcaster – Fragen und Antworten” unterbringen.

Allgemein: Baitcaster – Fragen und Antworten

Viele Fragen sind nicht auf einen bestimmten Hersteller bezogen. Deshalb werden sie hier eingeordnet. Viel Spaß bei der Hilfe zur Selbsthilfe!

Wann ist eine Baitcaster besonders vorteilhaft?

Großteils ist eine Baitcaster ein absolut tolles Werkzeug und eine absolute Spaßmaschine, aber sie kann nichts was mit einer Stationärrolle nicht auch irgendwie geht. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn es gibt drei Kategorien in denen die Baitcaster extrem glänzt und einfach nicht mit der Performance einer Stationärrolle zu vergleichen ist.

Crankbaits: Besonders große Crankbaits üben einen hohen Druck auf das Material aus und vibrieren dabei noch extrem stark. Mit der Zeit kann das bei einer Stationärrolle die Achse demolieren. Bei einer Baitcaster besteht diese Gefahr nicht, da die Achsen wesentlich stabiler montiert sind und auf zwei Seiten unterstützt sind.

Enge Spots: Wenn du nur wenige Quadratzentimeter hast, auf denen der Köder landen muss, dann bist du mit einer Baitcaster auf jeden Fall richtig. Du kannst die Flugbahn viel leichter kontrollieren und den Köder im exakt richtigen Moment mit deinem Daumen stoppen. Außerdem sind Unterhandwürfe und andere sehr flach ausgeführte Wurftechniken, die man oft an schwierigen Spots braucht, mit der Baitcaster deutlich komfortabler.

Topwater und Jerkbaits: Ich habe das Topwater Angeln mit einer Stationärrolle gelernt. Allerdings ist die Handhaltung und daher auch die Führung der Köder mit einer Baitcaster deutlich natürlicher und einfacher. Wenn ich keine Baitcaster habe fühle ich mich mittlerweile bei diesen Bewegungen einfach nicht mehr wohl, weil es sich irgendwie falsch anfühlt, da ich ja jetzt weiß wie locker und natürlich das Ganze ablaufen kann.

Wann ist eine Baitcaster nicht zu empfehlen?

Hardcore Baitcasterianer werden diese Frage ganz klar mit nie beantworten. Aber ganz realistisch betrachtet gibt es schon Situationen in denen eine Baitcaster mehr Nachteile als Vorteile bringt.

Warum behaupte ich das? Wenn selbst angesehene Profis bei den verschiedenen Bass Turnieren auf eine Spinning Kombo zurückgreifen, muss das einen guten Grund haben. Keiner wählt aus purem Spaß an der Freude ein suboptimales Werkzeug, wenn es um hunderttausende von Dollars geht. Bitte beachte, dass wir hier nur von Effektivität reden und nicht vom Spaß, den die eine oder andere Angelart auch am suboptimalen Casting Besteck machen kann.

Grundsätzlich kann man zwei Einsatzgebiete festmachen, in denen die Profis in den allermeisten Fällen auf Spinning Tackle setzen. Wenn Drop-Shot Rigs gefischt werden, oder wenn es sich um das Ned Rig oder andere extrem leichte Präsentationen dreht.

Als Faustregel gilt, je länger das Pendel und je leichter der Köder, desto eher solltest du eine Spinning Kombo wählen. Besonders beim beliebten Carolina Rig, Drop-Shot Rig oder beim ultra leichten Wobbler und Gummis möchtest du eventuell auf die Baitcaster verzichten.

Brauche ich eine Linkshand oder Rechtshand Baitcaster?

Das kommt darauf an mit welcher Hand du kurbelst. Wenn du mit Rechts die Rute hältst und mit Links kurbelst, dann brauchst du eine Linkshand Baitcaster.

Falls du mit der rechten Hand kurbelst und somit die Rute mit der linken Hand hältst, brauchst du eine Rechtshand Baitcaster.

Linkshand oder Rechtshand orientiert sich also daran mit welcher Hand du kurbelst. Du machst das übrigens zu 99% mit der gleichen Hand wie bei deinen Stationärrollen!

Bremsen – Welche Bremsen hat eine Baitcaster?

Eine Baitcaster hat prinzipiell drei Bremssysteme. Es gibt die Spulenbremse (engl.: spool tension), die Kampfbremse (engl.: star drag), eine Magnet- und/oder Fliehkraftbremse und als zusätzliche Bremse deinen möglichst gut trainierten Daumen.

X-Act 3.0 - die drei Bremsen der Baitcaster Rolle

Die Spulenbremse (1) kontrolliert wie frei sich die Spule deiner Baitcaster bewegen kann. Sie sollte mindestens so fest angezogen werden, dass die Spule kein seitliches Spiel hat. Wer ungeübt ist, darf hier so weit zumachen, dass der Köder bei gedrückter Daumentaste so langsam zu Boden sinkt, dass ich die Spule am Schluss nicht überschlägt.

Die Magnet- und/oder Fliehkraftbremse (2) hilft dir beim Werfen. Durch Magnete oder durch Fliehkraft wird die Spule deiner Baitcaster daran gehindert sich zu überschlagen. Manchmal werden beide Bremstypen kombiniert. Man kann die Intensität der Bremskraft mit Hilfe eines Rädchens einstellen.

Die Kampfbremse (3) lässt sich über den Stern an der Seite der Kurbel einstellen. Sie ist vergleichbar mit der Front- oder Heckbremse deiner Stationärrollen. So kontrollierst du ab welcher Zugkraft die Baitcaster im Drill Schnur frei gibt. Wenn du geübter bist, kannst du auch mit dem Daumen ein bisschen mit bremsen im Drill und so die Feineinstellung vornehmen, ohne am Stern drehen zu müssen.

Mit dem Daumen kannst du die Spule, ganz kurz vor der Köder auf der Wasseroberfläche landet ein wenig bremsen, damit es kein Vogelnest gibt. Je besser dein Daumen trainiert ist, desto mehr kannst du auch die anderen Bremssysteme öffnen. Damit gewinnst du an Wurfweite, da du alles sehr offen lässt und intuitiv die Spule nur dann bremst, wenn es nötig ist.

Bremsen – Was ist eine Fliehkraftbremse?

Bei der Fliehkraftbremse gibt es verschiedene Modelle mit Pins oder kleinen Bremsärmchen. Aber es funktioniert immer nach dem selben Prinzip. Wenn die Spule zu schnell rotiert, werden die Pins, die Bremsärmchen oder was auch immer gegen einen Bremsring oder eine Bremsscheibe gedrückt. So wird die Rotation der Spule gebremst.

Shimano Scorpion 70/71

Je stärker die Spule rotiert, desto kraftvoller wird gebremst. Sobald die Spule langsamer rotiert gehen die Pins oder Bremsärmchen wieder in ihre ursprüngliche Position zurück und bremsen nicht mehr.

Bremsen – Was ist eine Magnetbremse?

Bei einer Magnetbremse muss sich die Spule in einem Magnetfeld bewegen. Das kostet Energie und dadurch wird die Rotation abgebremst. Die Stärke der Bremskraft wird eingestellt, indem man über ein Rädchen die Magnete näher an die Spule oder weiter weg bewegt.

Konger Streeto Cast R

Da immer ein Magnetfeld erzeugt wird, kann eine Magnetbremse nicht komplett ausgeschaltet sein.

Bremsen – Funktioniert eine Magnetbremse bei einer Alu Spule?

Auch wenn es unglaublich klingt, da allgemein bekannt ist, dass Eisen, Nickel und Kobalt magnetisch sind, wird auch eine Spule aus Alu von einer Magnetbremse beeinflusst.

Wer sich genau einlesen möchte, findet bei der Lenzschen Regel einen guten Ausgangspunkt für Recherchen.

Durch die Bewegung der Metallspule im Magnetfeld wird ein elektrisches Feld erzeugt. Das elektrische Feld erzeugt ein eigenes kleines Magnetfeld, das dem der Bremse entgegengesetzt ist.

Je schneller die Spule dreht, desto stärker wird das erzeugte Magnetfeld und daher auch die Bremswirkung. Bei langsamerer Rotation lässt die Bremskraft nach, da das Feld schwächer wird. Je langsamer die Spule wird, desto sanfter wird gebremst.

Kugellager – Soll ich die Kugellager tunen?

Von einem Austausch der Kugellager erhoffen sich viele eine deutlich bessere Performance. Da die verbauten Kugellager heutzutage aber meistens schon sehr gut sind, ist das eine Sache die man sich echt überlegen muss.

Falls die Kugellager langsam sind, macht es manchmal Sinn sie zuerst zu entfetten und dann, minimal geölt, wieder einzubauen.

Bei einem Tausch gegen ultra schnelle Keramik Kugellager muss man die Kosten bedenken und auch das Gefahrenpotential. Durch die schnelleren Kugellager kann die Baitcaster durchaus ein gutes Stück zickiger werden. Diese Zickigkeit muss man dann wieder durch die Bremseinstellung kompensieren, wodurch der positive Effekt zu einem großen Teil verpufft.

Kugellager – Wie viele brauche ich?

Oft haben Leute das Gefühl, dass mehr Kugellager besser sind. Daher werden Baitcaster manchmal auch anhand der Anzahl der Kugellager ausgesucht. Hier gilt aber auch wieder die Regel Qualität vor Quantität.

Kugellager werden oft in den Knobs (bis zu vier Stück) verbaut. So wird die Anzahl der Kugellager künstlich nach oben getrieben. Klar können viele Kugellager für einen smootheren Lauf sorgen, müssen sie aber nicht, wenn sie an den falschen Stellen sitzen oder eine schlechte Qualität haben.

Eine Baitcaster mit 3 + 1 Kugellagern an der richtigen Stelle kann durchaus besser sein als eine 11 + 1 Baitcaster. Ein Nachteil von vielen Kugellagern ist, dass man auch viel zu putzen hat, da eine Baitcaster von gut gewarteten Kugellagern extrem profitiert.

Falls du gut Englisch kannst, erklärt DEBO’S Fishing das Thema sehr gut im YouTube Video Are MORE Bearings in a Baitcaster…BETTER?

Es gibt sogar Firmen dieBaitcaster produzieren, die komplett auf Kugellager verzichten. Bei Tackle Tester gibt es zum Beispiel einen Artikel über die Concept A3 von 13 Fishing, die ohne Kugellager auskommt.

Also, es braucht in der Regel eigentlich nicht mehr als insgesamt vier Kugellager. Wenn diese vier Lager an den richtigen Stellen sitzen und von hoher Qualität sind, kann das schon reichen. Mit mehr gut positionierten und hochwertigen Kugellagern lässt sich die Performance aber schon noch steigern.

Getriebe Übersetzung – Was sagen mir die Zahlen?

Die bei der Übersetzung angegebenen Zahlen geben an, wie oft sich die Spule bei einer Kurbelumdrehung dreht. 6.3 : 1 bedeutet, dass die Spule sich bei einer Kurbelumdrehung 6,3 Mal dreht.

6 und darunter zählt als eher langsam. Alles mit 7 ist im Mittelfeld und alles mit 8 gilt als schnell. 9 und darüber ist High Speed.

Falls du dir überlegst deine erste Baitcaster anzuschaffen, empfehle ich eine Übersetzung im Bereich 7. Damit liegst du im Mittelfeld und kannst ohne extrem schnell oder extrem langsam zu kurbeln auch in langsame und schnelle Techniken hinein schnuppern. Später kannst du dann ja immer noch eine etwas spezialisiertere Übersetzung wählen.

Shimano spezifische Baitcaster – Fragen und Antworten

Manche Fragen beziehen sich nur auf Shimano Baitcaster. Diese spezifischen Fragen findest du hier aufgelistet.

Was bedeuten die Zahlen in den Namen der Baitcaster?

In den Bezeichnungen der Shimano Baitcaster sind Zahlen enthalten. Diese Zahlen geben Aufschluss über zwei Dinge. Zum einen erfährst du wie groß die Spule ist. Zum anderen erfährst du ob es sich um eine Linkshand oder ein Rechtshand Modell handelt.

Shimano Scorpion 70/71

Shimano Spulengrößen

Shimano hat verschiedenen Spulengrößen. Je größer die Zahl ist, desto größer ist die Spule. Das beeinflusst die Schnurfassung und das Gewicht der Spule. Beides steigt in der Regel, wenn die Zahl höher wird. Für das Barschangeln relevant sind die Größen 30, 50, 70, 100 und vielleicht noch 150. Alles darüber ist zu groß und wäre unpraktisch.

Shimano Linkshand – Rechtshand

Die vorhin angesprochenen Spulengrößen werden hin und wieder nicht mit 50, 70 und 100 angegeben. Hier in Europa findest du meistens eine Eins am Ende, also 51, 71, 101 und so weiter. Mit der Endzahl wird angegeben ob es eine Linkshand oder ein Rechtshand Baitcaster ist. Ein Modell mit 0 am Schluss ist eine Rechtshand Baitcaster. Steht eine 1 am Ende, ist es ein Linkshand Modell.

Was ist eine DC Baitcaster?

Eine DC Baitcaster verfügt über ein Digitales Kontrollsystem. Dieses System überwacht die Rotation der Spule und passt die Bremskraft, die auf die Spule wirkt, automatisch den Gegebenheiten an. Die Messung erfolgt 1000 Mal in der Sekunde und das System versorgt sich selbst mit Energie, braucht also keine Batterie.

Shimano Scorpion DC

Während ich die Scorpion DC getestet habe, konnte ich feststellen, dass das System besonders und schlechten Bedingungen einen enormen Vorteil bringt. Man braucht ein bisschen weniger Konzentration und weniger Übung um gut klar zu kommen. Unter normalen Umständen wirft ein geübter Werfer mit einer herkömmlichen Baitcaster aber mindestens gleich weit, wenn nicht sogar ein wenig weiter.

Daiwa spezifische Baitcaster – Fragen und Antworten

Alles was ausschließlich Daiwa Baitcaster betrifft wird hier beantwortet. Zu diesen spezifischen Dingen zählen verschiedene Abkürzungen und Technologien.

TWS – Was ist das T-Wing System?

Daiwa hat eine extrem smarte Lösung für ein altes Problem gefunden. Diese Lösung nennt sich T-Wing System (TWS). Traditionelle Schnurführungen sind sehr eng und erzeugen daher beim Werfen sehr viel Reibung, da die Schnur oft in einem sehr ungünstigen Winkel eintritt.

Beim T-Wing System klappt die, wie ein T geformte, Schnurführung beim Wurf nach unten. Somit hat die Schnur eine deutlich breitere Öffnung zur Verfügung und es entsteht nur noch ein Minimum an Reibung.

Tatula SV TW

Sobald gekurbelt wird, klappt der T-Wing nach oben und die Schnur wird durch den unteren Teil wieder sauber und gewohnt eng geführt, was eine saubere Verlegung garantiert. Ich persönlich finde das System genial und extrem komfortabel. 

Magforce-Z – Wie funktioniert dieses Bremssystem?

Auf der Achse der Spule sitzt ein beweglicher Induktor aus Metall. Ein Magnet befindet sich auf der der Kurbel abgewandten Seite.

Tatula SV TW

Durch die Fliehkraft, die bei schnellen Drehungen der Spule entsteht, wird der Induktor nach außen gedrückt. Somit wird er tiefer in das Magnetfeld gedrückt und stärker abgebremst. Sobald die Spule langsamer rotiert zieht sich der Induktor aus dem Einflussbereich des Magneten zurück und die Bremskraft nimmt ab.

Tatula SV TW

Es handelt sich als weder um ein reines Fliehkraft noch um ein reines Magnet System. Daiwa hat das beim Magforce-Z System super kombiniert. Ich mag das System total gerne, da es butterweich bremst und auch recht gutmütig ist. 

Falls du Fragen zum Thema Baitcaster hast – die andere vermutlich auch betreffen – kannst du sie gerne in den Kommentaren posten. Ich werde sie dann mit in den Katalog aufnehmen.


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